Consens Seniorenmagazin der Stadt Mainz

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Jahrestage 2026 – Anlass sich zu erinnernVon Ingrid Suder„Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren.“ D...
13/01/2026

Jahrestage 2026 – Anlass sich zu erinnern
Von Ingrid Suder

„Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren.“ Dieses Zitat wird Siegfried Lenz zugeschrieben. Der „umsichtige Mahner“ wurde er einmal genannt, der die deutsche Literatur wieder hoffähig machte.

Schon Ende 2024 standen die 52 Briefmarken für 2026 fest. Wie jedes Jahr wählte der Programmbeirat beim Bundesministerium der Finanzen „aus den eingereichten Vorschlägen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Institutionen eine ausgewogene Anzahl von Themen aus“. Und auch ich habe wieder ausgewählt aus dieser Themenpalette, die an denkwürdige Ereignisse, herausragende Jubiläen, runde Geburtstage und außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement erinnert, Bauwerke und Landschaften einbindet.

Eine Sonderbriefmarke wird Siegfried Lenz anlässlich seines 100. Geburtstags gewidmet sein. Mit „So zärtlich war Suleyken“ setzte er, im März 1926 in Ostpreußen geboren, seiner masurischen Heimat humorvoll ein Denkmal. Mit seinen Theaterstücken und Hörspielen, Essays und Reden mischte er sich immer wieder ins politische Tagesgeschehen ein, mit seinen Romanen schuf er herausragende Werke der Nachkriegsliteratur. „Deutschstunde“, der erfolgreichste Roman des Autors, 1968 erschienen, thematisiert das Verhältnis von Macht und Kunst, von unbedingter Pflichterfüllung in der Zeit des Nationalsozialismus im Gegensatz zu individueller Verantwortung. Vielfach preisgekrönt erhielt Siegfried Lenz 1988 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, 2014 ist er in Hamburg gestorben.

Geehrt für den Einsatz für ein friedvolles Miteinander wurden Aristide Briand und Gustav Stresemann. Sie erhielten 1926 den Friedensnobelpreises für ihr Bemühen um die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg. Die Dankesrede von Gustav Stresemann, als Vortrag gehalten am 29. Juni 1927 auf Einladung des Storthing-Nobelkomitees in der Aula der Universität in Oslo, kann man im Internet nachlesen, überschrieben „Der Weg des neuen Deutschlands“. Auch hier geht es um Unterordnung unter den Staat, um Pflichttreue – sie führte letztlich zum Ersten Weltkrieg – und um das „Sehnen nach friedlicher internationaler Zusammenarbeit in Recht und Frieden“.

Unverzichtbare Bewahrer der Demokratie und Mahner für ein menschliches Miteinander sind zwei Institutionen, beide vor 75 Jahren ins Leben gerufen. Auch ihnen werden Sonderbriefmarken gewidmet sein.

Das ist auf nationaler Ebene das Bundesverfassungsgericht. Zwei Senate mit jeweils acht Mitgliedern wachen in Karlsruhe „über die Einhaltung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Seit seiner Gründung im Jahr 1951 hat das Gericht dazu beigetragen, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Ansehen und Wirkung zu verschaffen. Das gilt vor allem für die Durchsetzung der Grundrechte. Zur Beachtung des Grundgesetzes sind alle staatlichen Stellen verpflichtet. Kommt es dabei zum Streit, kann das Bundesverfassungsgericht angerufen werden. Seine Entscheidung ist unanfechtbar. An seine Rechtsprechung sind alle übrigen Staatsorgane gebunden“, einzusehen unter www.bundesverfassungsgericht.de unter den Stichworten „Aufgaben und Organisation“ bis hin zu „Verhaltensleitlinien“: „Die Richterinnen und Richter des BVerfGE verhalten sich innerhalb und außerhalb ihres Amtes so, dass das Ansehen des Gerichts, die Würde des Amtes und das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Integrität nicht beeinträchtigt werden.“ Ansehen und Würde: Beschädigt durch einen in den Medien breit getretenen politischen Streit um die Wahl eines Mitglieds?

Hoffnungsträger auf internationaler Ebene ist die Genfer Flüchtlingskonvention. Am 28. Juli 1951 wurde sie von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet, bis heute von 149 Ländern unterschrieben. Sie definiert nicht nur, wer ein Flüchtling ist, welcher rechtliche Schutz, welche Hilfe und welche sozialen Rechte ihm zustehen. Sie bestimmt zudem die Pflichten der Flüchtlinge gegenüber ihren Aufnahmeländern. Weltweite Vereinbarungen, die nur auf dem Papier stehen?

„Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren“, habe ich diese Auswahl überschrieben. Kein Sonderpostwertzeichen ist den Mainzer Hofsängern gewidmet. Doch ihr 100. Geburtstag steht 2026 an und wird wohl nicht nur in Mainz begangen werden. Mit ihren Auftritten begeistern sie ein Millionenpublikum, mit ihren auch politischen Texten mahnen sie, mit ihren Liedern erfreuen sie. Musik ist eine Menschen verbindende Kraft. „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, gehört nach wikipedia in Deutschland zu den beliebtesten Gesängen bei freudigen Anlässen aller Art und wird nicht nur bei besonderen Erfolgen deutscher Sportler wie bei Fußballweltmeisterschaften oder Länderspielen von den Fans regelmäßig angestimmt. Trotz aller Gegnerschaft ein Miteinander!

Die Martinsburg und das Ende der Freien Stadt MainzDr. Rudolf BüllesbachEs gibt Tage, nach denen nichts mehr so ist wie ...
08/01/2026

Die Martinsburg und das Ende der Freien Stadt Mainz
Dr. Rudolf Büllesbach

Es gibt Tage, nach denen nichts mehr so ist wie vorher. Ein solcher Schicksalstag der Mainzer Stadtgeschichte war der 28. Oktober 1462. Im Verlauf dieses Tages verloren 400 Einwohner ihr Leben und die Stadt alle ihre Freiheitsprivilegien. Das nach außen sichtbare Symbol dieses Einschnitts: die Martinsburg.

„Schlagent dott, schlagent dott die ketzer allesambt, vnd nement eynen nit gefangen“. Das war der Schlachtruf des Grafen Eberhard III. von Eppstein-Königstein am frühen Morgen des 28. Oktober 1462. Die von einem anonymen Verfasser stammende „Mainzer Chronik“ berichtet, dass im Schutze der Nacht einige hundert Bewaffnete die Stadtmauer mit Leitern erstiegen und die Windmühlentürme auf dem Kästrich sowie die Türme der Gaupforte eingenommen hatten. Nach einem verabredeten Feuersignal setzte sich anschließend die am Rheinufer versammelte Haupttruppe mit Schweizer Söldnern und sechshundert Pferden in Bewegung und vereinigte sich in der Stadt mit der nächtlichen Vorhut. Es folgten zwölf Stunden blutiger Straßenkämpfe. Ein Versuch der Mainzer, die Angreifer mit dem städtischen Geschütz, zwei auf Holzkarren montierten Kanonen, die Gaugasse hinaufzudrängen, scheiterte. Ebenso wenig Erfolg hatten die Frauen, die Steine aus den Fenstern warfen oder die Angreifer mit heißem Wasser übergossen. Am Ende der Kämpfe kapitulierten die Stadt. Es folgten Plünderungen durch die siegreichen Truppen. 150 Häuser brannten ab oder wurden schwer beschädigt, nahezu 500 Mainzerinnen und Mainzer waren tot.

Mit diesen dramatischen Ereignissen war die Mainzer Stiftsfehde um den Stuhl des Mainzer Erzbischofs beendet. Adolf von Nassau hatte den Konflikt gewonnen. Sein Konkurrent Diether von Isenburg, der 1459 zum Erzbischof von Mainz gewählt worden war, hatte bereits bei Beginn der Kämpfe »naket unde barvoet over de muren an eime zele« – n***t und barfuß über die Mauer an einem Seil – die Stadt verlassen und war über den Rhein geflohen.

Am Tag nach dem blutigen Straßenkampf trieben Soldaten in voller Rüstung, mit gezückten Schwertern und gespannten Armbrüsten den Stadtrat und alle männlichen Bürger der Stadt auf dem heutigen Schillerplatz zusammen. In einem demütigenden Strafgericht hob Adolf von Nassau als der neue Herr von Mainz die mehr als 200 Jahre alten Privilegien der Stadt auf. Aus der Freien Bürgerstadt Mainz wurde eine kurfürstliche Residenzstadt, die entscheidend vom Fürstbischof, seinem Hof sowie den hier residierenden weltlichen und geistlichen Adeligen beherrscht wurde. Zahlreiche Patrizier- und Großbürgerhöfe sowie Zunfthäuser wurden enteignet und den verbündeten Fürsten sowie den Adligen aus der Umgebung des neuen Erzbischofs übertragen. Das Doppelrad der Freien Stadt wurde durch das erzbischöfliche Wappen und das Wappen des Domkapitels ersetzt. Mit Ausnahme einiger Handwerker und Bäcker mussten die meisten männlichen Einwohner – gnadenhalber – umgehend Mainz verlassen und wurden durch die Gaupforte aus der Stadt vertrieben. Unter ihnen auch Johannes Gutenberg mit vielen seiner Gehilfen, die in den kommenden Jahren das bis dahin in Mainz gut gehütete Geheimnis des Buchdruckes in ganz Europa verbreiteten. Das Stadtpatriziat, die alte Oberschicht, blieb verschwunden und spielte in der Stadt ebenso wie die Zünfte keine Rolle mehr. Ein politisches Selbstbestimmungsrecht erhielten die Mainzer nicht mehr zurück. Als später wieder ein Stadtrat eingerichtet wurde, wurden dessen Mitglieder nicht gewählt, sondern vom erzbischöflichen Stadtherrn ernannt. Zu kümmern hatte sich der Rat nur um minder wichtige Angelegenheit. An der Spitze der Verwaltung stand kein Bürgermeister mehr, sondern ein adliger Vizedom als verlängertem Arm des Landesherrn. Das im 13. Jahrhundert in unmittelbarer Rheinnähe gebaute Rathaus als Sitz bürgerlicher Entscheidungsbefugnisse hatte seine Funktion verloren. Es wurde in der Folge zu verschiedenen Zwecken genutzt und im Jahre 1835 weitgehend zugunsten eines Gasthofs abgerissen. Erst seit den 70er- Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hatte Mainz wieder ein Rathaus, den Bau von Arne Jacobsen.

Mit dem Bau der Martinsburg zwischen 1478 und 1481 manifestierte Diether von Isenburg, der 1475 als Nachfolger von Adolf von Nassau erneut zum Erzbischof gewählt worden war, seinen Machtanspruch und den Willen, die kurfürstlichen Rechte zu sichern. Das neue Residenzschloss stand unmittelbar am Rhein am nordöstlichen Ende der Stadtmauer und war eine Wasserburg von unregelmäßigem Grundriss. Das Hauptgebäude, der Palas, hatte zwei Ecktürme am Rhein und dazwischen den Altarerker der Kapelle. Ein mit einer Ringmauer und runden Ecktürmen versehener, mit Wirtschaftsgebäuden besetzter Vorhof befand sich nach der Stadtseite und diente als Warnung an die Bürger vor neuen freiheitlichen Ansprüchen.
Die Martinsburg blieb für fast 300 Jahre ein Wahrzeichen der Stadt Mainz. Ab 1627 begann der Bau des Kurfürstlichen Schlosses, das sich an die Stadtseite des Palas anschloss. 1807 wurde die Martinsburg abgebrochen. Heute sind in der Grünfläche vor dem Rheinflügel des Schlosses nur noch wenige Sandsteinblöcke der damaligen Residenz zu sehen (siehe rote Pfeile). Diese sind ein bleibendes Zeugnis von einem gewaltsamen Ereignis, das der städtischen Geschichte eine andere Richtung gegeben hat.

Das Redaktionsteam und der conSens-Medienverlag wünschen allen Leserinnen und Leseren einen guten Rutsch in das neue Jah...
31/12/2025

Das Redaktionsteam und der conSens-Medienverlag wünschen allen Leserinnen und Leseren einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Bleigießen, Feuerwerk und mehrVon Rosemarie BuschFesttage, Geburtstage, Jubiläen und vieles mehr gliedern unseren Jahres...
26/12/2025

Bleigießen, Feuerwerk und mehr
Von Rosemarie Busch

Festtage, Geburtstage, Jubiläen und vieles mehr gliedern unseren Jahresablauf. So entstand im Laufe der Jahrhunderte Brauchtum, das sich in gemeinschaftlicher Verwendung in den verschiedenen Regionen veränderte. Der Jahreswechsel mit Silvester und Neujahrstag unterliegt einer solchen Entwicklung.

Bis zum vierten Jahrhundert vor Christus wurde der letzte Tag des Jahres am 31. März gefeiert. Mit der julianischen Kalenderreform unter Julius Caesar wurde dann der 31. Dezember als letzter Tag des Jahres festgelegt und Silvester genannt nach dem römischen Bischof Silvester I., der am 31. Dezember des Jahres 331 starb. Er soll Kaiser Konstantin noch auf dessen Sterbebett getauft haben, nachdem dieser das Christentum als alleinige Religion im gesamten römischen Reich anerkannt hatte.

Damit wurden die alten, meist mit Naturgeschehen verbundenen Götter verboten. In den Volksbräuchen jedoch lebten sie weiter. So ist es im ehemals germanischen Bereich der Gott Wotan, der mit seinem „wilden Heer“ die „Raunächte“ zwischen Weihnachten und Silvester mit Sturm und Unwetter unsicher macht. Sicher kommt daher auch der Spruch „Guten Rutsch“, manchmal mit dem Zusatz „aber nicht zu viel“, in Anspielung auf die gelegentlichen Schneefälle in Deutschland in diesen Tagen. In den Raunächten soll bis Neujahr keine Wäsche auf der Leine hängen, damit sich die „wilden Reiter“ nicht darin verfangen und Krankheit und Tod ins Haus bringen. Dieser Brauch hat sich besonders in katholischen Gebieten bis heute erhalten.

Man sagte auch, dass in diesen Raunächten, die oft „Zeit zwischen den Jahren“ genannt werden, böse Geister und Dämonen und die Seelen Verstorbener ihr Unwesen treiben und allerhand durcheinanderbringen. Sie mussten mit viel Lärm wie Peitschenknallen, Trommeln und dumpf klingenden Schellen vertrieben werden. Im Schweizer Kanton Appenzell wird der Brauch noch in seiner ursprünglichen Form von den im Ort herumziehenden „Silvesterkläusen“ gepflegt. In Norddeutschland hat er sich im „Rummelpottlaufen“ erhalten, heute hauptsächlich eine Kinderaktion. Feuerwerk und Knallkörper haben viele dieser alten Bräuche abgelöst. Die Knallerei wird insgesamt wegen verängstigter Tiere und der Umweltverschmutzung in Frage gestellt. Man sucht nach alternativen Formen.

Der Silvesterabend in den deutschsprachigen Ländern wird meist mit einem guten Essen in Gemeinschaft mit Familie und/oder Freunden begonnen, verbunden mit Gesprächen über das vergangene Jahr und was die Zukunft bringen wird. Dazu befragt man Orakel, meist in Form von Bleigießen. Wegen seiner Giftigkeit ersetzt man das Blei gerne durch Zinn oder Wachs. Die dabei entstehenden Formen verlocken im geselligen Kreis zu skurrilen, erheiternden Auslegungen. Für junge Mädchen sei hier das „Apfelschälorakel“ erwähnt. Hierbei versucht man, einen Apfel, ohne abzusetzen, zu schälen, und wirft die Schale dann über die Schulter nach hinten . Ein dabei vielleicht erkennbarer Buchstabe soll auf den Anfang des Vornamens eines zukünftigen Bräutigams hindeuten.

In Auswahl sollen hier weitere Bräuche aus europäischen Ländern vorgestellt werden.

In Italien
• steht das Feiern mit der ganzen Familie an erster Stelle bei einem guten Essen mit Glücks-Linsen und Zampone, einem gefüllten Schweinefuß, oder auch mit der Kochwurst Cotechino. Zum Abschluss gibt es Panettone-Kuchen und ein Gläschen des Zitronenlikörs Limoncello. Mit diesen Speisen soll das finanzielle Glück im neuen Jahr gesichert sein.
• Das Zerschmettern von altem Geschirr steht für all das Negative, das so im alten Jahr zurückgelassen werden kann.
• Um das Glück günstig zu stimmen, werden in der ersten Minute nach Mitternacht zwei Finger gekreuzt und die Augen geschlossen. In Gedanken werden nun drei Wünsche genannt, die dann (hoffentlich!) in Erfüllung gehen.
• Für das Glück in der Liebe sorgt das Küssen unter einem Mistelzweig, ein Brauch, der besonders an der Amalfi -Küste gepflegt wird und den man auch als englischen Weihnachtsbrauch kennt.
• Das Tragen von roter Unterwäsche verheißt Liebe, Glück und Erfolg für das kommende Jahr. Auch für Männer! Wenn man es ganz richtig machen will und wenn der Zauber wirken soll, dürfen die Dessous aber nicht selbst gekauft sein. Sie müssen geschenkt worden sein.
• Bei einem jungen Brauch, der vermutlich aus Südamerika übernommen wurde, begrüßt man das neue Jahr auf gepackten Koffern sitzend und sich zuprostend.

Spanien fordert das Glück mit dem Essen von 12 Weintrauben heraus, die symbolisch für die 12 Monate des nächsten Jahres stehen. Mitten in Madrid an der Puerta del Sol schlagen dafür zwölfmal im Abstand von 3 Sekunden Glocken an, und mit jedem Glockenschlag muss eine Weintraube gegessen werden. Diese Glockenschläge werden sogar im spanischen Fernsehen übertragen, damit alle Spanier an dem Brauch teilhaben können. Damit man sich nicht verzählt, gibt es schon Tage vor Silvester die richtige Anzahl von Weintrauben abgepackt im Supermarkt zu kaufen.
Frankreich begeht den Silvesterabend zunächst mit einem ausgedehnten Festmahl mit verschiedenen Meeresfrüchten und Gänseleberpastete, gefolgt von lautem und buntem Feiern mit Papierhüten, Luftschlangen und Papierkügelchen, die durch Röhrchen gepustet werden. Pralinen in länglicher Form mit gedruckten Glücksbotschaften, sogenannte Papillotes, sollen Hinweise auf die Zukunft geben.

In Polen
• werden alle Uhren für den Neuanfang aufgezogen, ein Brauch, der im Zuge der Digitalisierung sicher bald verschwunden sein wird.
• Um Mitternacht werden alle Türen und Fenster geöffnet, um die Geister des neuen Jahres hereinzulassen.
• Eine Schuppe des Silvesterkarpfens muss in die Geldbörse gesteckt werden, damit sie immer gefüllt ist und für einen gefüllten Kühlschrank sorgen kann.
• Ebenso verspricht eine Geldmünze in den Schuh gesteckt Wohlstand für das kommende Jahr.
• Mohnkörnchen in den Schuh gestreut sichern Unverheirateten viele Verehrer.
• Den Vornamen einer/eines künftigen Ehefrau/Ehemanns erfährt man, wenn man auf den ersten nach Mitternacht genannten Namen achtet.

Ein alter ländlicher Brauch für den Neujahrstag ist das „Wecken der Bienen“. Dies geschieht mit einem leichten Klopfen an den Bienenstock. Symbolisch sollen die fleißigen Tiere aus dem Winterschlaf geweckt und zur Arbeit motiviert werden. Dies verspricht dann eine reiche Honigausbeute.

In Russland wird Weihnachten nach dem alten julianischen Kalender am 7. Januar gefeiert. Also ist Silvester vorher. Und da die Tage vom 1.-8. Januar arbeitsfrei sind, sind alle Feiertage.
• An Silvester bringt „Väterchen Frost“, als Weihnachtsmann gekleidet, mit seiner Enkelin „Snegurotschka“(Schneeflöck-chen) Geschenke. Der weihnachtliche Tannenbaum, mit vielen Lichtern geschmückt, steht bereits zum Jahreswechsel und heißt deshalb oft „Neujahrsbaum“.
• Champagner gehört ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Familien zu Silvester dazu. Man versucht folgendermaßen das Glück herbeizuzaubern: Man schreibt einen Wunsch auf ein Stückchen Papier, verbrennt es, löst die Asche in einem Glas dieses prickelnden Getränks auf und trinkt es um Mitternacht aus.

• Seit den 60er Jahren gehören unbedingt Mandarinen als Glücksbringer zum Jahreswechsel. Exotische Früchte waren eine Rarität im kommunistischen Russland. Es gab aber Mandarinen, weil die Bäume im Südkaukasus beheimatet sind und genau zu dieser Zeit reif sind.

Man könnte noch seitenweise weitere Beispiele aus aller Welt anführen. Allen Ländern gemeinsam sind mehr oder weniger Feuerwerk und Knallerei. Ob man sich der früheren Bedeutung bewusst ist oder nicht, heute sind sie Ausdruck der Freude, dass das alte Jahr vorüber ist und wir ein neues, hoffentlich gutes Jahr begrüßen dürfen. Geblieben ist in vielen Ländern auch der Klang der Kirchenglocken, die um Mitternacht das Ende der Unbilden des alten Jahres einläuten und die Freude über den Beginn des neuen Jahres in die Welt hinausrufen. In diesem Sinne die besten Wünsche für ein gutes, friedvolles Neues Jahr 2026.

Das Redaktionsteam und der conSens-Medienverlag wünschen allen Leserinnen und Leseren erholsame und fröhliche Weihnachte...
23/12/2025

Das Redaktionsteam und der conSens-Medienverlag wünschen allen Leserinnen und Leseren erholsame und fröhliche Weihnachten. Bleiben Sie gesund!

Das Weihnachtsgeschenk Von Jamie MöhlerDas kleine Mädchen saß am Fenster und schaute auf die sonnige Landschaft. Es war ...
23/12/2025

Das Weihnachtsgeschenk
Von Jamie Möhler

Das kleine Mädchen saß am Fenster und schaute auf die sonnige Landschaft. Es war beinahe Weihnachten, aber draußen herrschten immer noch so hohe Temperaturen, dass die Menschen lediglich kurze Hosen und T-Shirts trugen.

Millenia, die von allen nur Milly gerufen wurde, saß schon eine ganze Weile hinter dem Fenster. Ab und zu seufzte sie. Hätten die Vorbeieilenden sie hören können, hätten sie gedacht, das Kind wäre tieftraurig. Doch Milly war nicht wirklich traurig. Stattdessen war sie in ihrer Vorstellung einfach ganz weit weg. Im Geiste besuchte sie andere Länder und lernte fremdartige Menschen kennen, manchmal sah sie auch Elefanten oder Caribous, Adler oder Krokodile. Aber meistens ging sie in ihren Tagträumen einen Pfad entlang, dem sie schon viele Male gefolgt war. Dort lag Schnee. So viel Schnee, dass sie nichts als Weiß sah. Dann gab es einen schneebedeckten Hügel, um den sich der Pfad schlängelte und hinter dem sie endlich das fand, was sie gesucht hatte: einen riesigen Schlitten mit acht Rentieren davor. Und oben auf dem Schlitten saß der Weihnachtsmann in seinem roten Anzug und mit seinem weißen Rauschebart.

Milly seufzte wieder. Wenn ihre Träume doch nur Wirklichkeit werden könnten. Wenn sie doch nur ein einziges Mal den Weihnachtsmann sprechen könnte, um ihren sehnlichsten Wunsch vortragen zu dürfen. Denn was sie sich am innigsten von ihm wünschte, war, Schnee zu sehen und das nicht nur in ihren Tagträumen, sondern in der Wirklichkeit. Viele fluffige Schneeberge, einen neben dem anderen, einfach zum Anfassen.

Milly hatte noch nie echten Schnee gesehen, weil ihr Papa Ardor einen Job in Brasilien angenommen hatte, als sie noch ein Baby gewesen war. Und ihre Eltern hatten sie noch nie in ein Land mitgenommen, in dem es im Winter schneite. Deshalb saß Milly am Fenster und träumte sich in den Winter. Zumindest so, wie sie sich den Winter vorstellte, so, wie sie ihn im Fernsehen gesehen hatte.

Am Tag vor Weihnachten, während ihr Papa Ardor noch Besorgungen machte, hatte Milly ihrem Vater Elijah beim Plätzchenbacken geholfen. Das Aroma zog durch das ganze Haus. Und als Ardor nach Hause kam, rannte ihm Milly schon entgegen. „Papa, du darfst ein Plätzchen probieren!“, rief sie, während sie ihm eines der Gebäckstücke entgegenstreckte. „Wie, nur ein einziges?“, neckte er Milly, doch sie sah ihn mit ernster Miene an: „Vor Weihnachten keine Plätzchen naschen, hat Vati gesagt.“ Er lachte und schnappte sie, ehe Elijah die beiden ins Bad schickte. Nachdem die Küche nämlich völlig im Chaos versunken war und Milly selbst in den Haaren noch Teig hängen hatte, wurde sie erst in die Badewanne und dann in ihren Schlafanzug gesteckt.

Als Ardor den Kopf durch die Schlafzimmertür steckte und sie angrinste, fragte sie: „Papa, kannst du mir die Geschichte vom Weihnachtsmann und seinen Elfen vorlesen?“ Er kam ins Zimmer und hielt seine Hände hinter dem Rücken versteckt: „Hmm, Krümel, ich habe da eine viel bessere Idee. Wie wäre es, wenn du jetzt schon eines deiner Geschenke öffnen darfst?“

Milly strahlte ihn an, runzelte dann jedoch die Stirn: „Aber, Papa, es ist doch noch gar kein Weihnachten, erst morgen.“ Er setzte sich zu ihr ans Bett und zog einen großen Karton mit Schleife hinter seinem Rücken hervor: „Das stimmt, aber dieses Geschenk ist eine Ausnahme. Du wirst es morgen früh unbedingt schon brauchen.“
Etwas zögerlich, aber voller Vorfreude, öffnete Milly den Karton und zog eine gefütterte Jacke hervor. Sie bekam große Augen: „Papa, wozu brauche ich eine Winterjacke? Es ist doch viel zu warm draußen.“ Ardor zwinkerte ihr zu und meinte: „Du brauchst eine warme Jacke, damit du morgen in Kanada nicht frierst.“

Milly sah ihn einen Moment ungläubig an und fiel ihm dann mit einem Jubelschrei um den Hals: „Fliegen wir wirklich nach Kanada? Ganz, ganz ehrlich, Papa?“ Ardor drückte sie an sich: „Ja, Krümel, gleich packen wir die Koffer ins Auto und dann geht es los.“

In dem Moment kam Elijah ins Zimmer und Milly rief begeistert: „Vati, Vati, wir fliegen in den Schnee!“ Er hielt die Arme auf, damit er Milly, die nun auf ihn zu gerannt kam, auffangen konnte. „Morgen bist du endlich im Schnee, mein Sonnenschein“, flüsterte er.

Und während Elijah seine Tochter an sich drückte, lächelte er seinen Ehemann über ihren Kopf hinweg an. Das war bisher ihre beste Idee für ein Weihnachtsgeschenk gewesen. Stunden später war die kleine Familie auf dem Weg zum Flughafen und Milly erzählte ununterbrochen von allem, was sie hoffentlich sehen würden. Dann holte sie die Aufregung über den Urlaub und die Müdigkeit nach einem langen Tag endlich ein und sie schlief tief und fest, während sie vom Weihnachtsmann träumte.

Am nächsten Tag erreichten sie die Blockhütte, die ihre Eltern gemietet hatten, und Milly sah das erste Mal in ihrem Leben echten Schnee. Sie jauchzte vor Glück und zog Ardor gleich mit sich, um einen Schneemann zu bauen. Dann machten sie eine Schneeballschlacht und Schneeengel, ehe Ardor eine vor Freude quietschende Milly schnappte und sie mit nach drinnen nahm.

Elijah wartete vor dem brennenden Kamin mit warmen Decken, heißem Kakao und den selbst gebackenen Plätzchen. Ein kleiner Weihnachtsbaum, der mit Lichtern und Papiersternen dekoriert war, stand funkelnd neben den Geschenken in der Ecke und Elijah und Ardor lasen abwechselnd aus den mitgebrachten Weihnachtsbüchern vor. Sie waren eine glückliche kleine Familie und dieses Weihnachtsfest würde dasjenige sein, an das Milly sich immer am lebhaftesten erinnerte.

Kultur will gepflegt werden – Gerne ehrenamtlich!Von Klaus EuteneuerEin Millionenprojekt – die Sanierung der Kirche St. ...
16/12/2025

Kultur will gepflegt werden – Gerne ehrenamtlich!
Von Klaus Euteneuer

Ein Millionenprojekt – die Sanierung der Kirche St. Ignaz in Mainz. Die Arbeit ist gelungen, die Altstadt behält ein kulturhistorisch herausragendes und seine Umgebung prägendes Gebäude. Innenminister Michael Ebling hat sich jetzt bei Dr. Alois Steffens darüber informiert. Steffens ist seit vielen Jahren in der Pfarrei St. Ignaz Zweiter Vorsitzender des Verwaltungsrats. In dieser Eigenschaft war er an der Organisation der umfangreichen Sanierungsarbeiten maßgeblich beteiligt. Ehrenamtlich.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer hatte vor Eblings Besuch Dr. Steffens mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Die Ignazkirche ist gut 250 Jahre alt. 1763 wurde der Grundstein gelegt, 15 Jahre später wurde sie eingeweiht. Der Bau war nötig, denn die aus dem Mittelalter stammende Vorgängerkirche war baufällig und musste abgerissen werden. Dass der Ersatz zu einer der bedeutendsten Kirchen des Klassizismus in Südwestdeutschland werden sollte, verdankt sie dem Mainzer Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein. Der wollte im Originalton „keine Bauernkirche“ in seiner Residenz und verwarf die vom Kirchenvorstand der Pfarrei eingereichten Pläne. So entstand stattdessen eine außen beeindruckende und innen prächtige Kirche. Bei der Gestaltung der Fassade hatte der Architekt ein Vorbild im Auge: die gut zwei Jahrhunderte ältere Kirche Saint-Gervais-Saint-Protais in Paris.

Die Kapuzinerstraße, an der die Ignazkirche liegt, ist heute eine Denkmalzone. Die Häuser sind oft Jahrhunderte alt. 1866 war der Straßenzug fertig bebaut. Er ist bis heute fast vollständig erhalten mit der Kirche als prägendem Bauwerk. Den Platz davor hat Ebling einmal als seinen Lieblingsplatz in Mainz bezeichnet.

Auch wenn Mainz viel ältere Kulturdenkmäler als dieses vorzuweisen hat, 250 Jahre sind nicht wenig. Aber die Ignazkirche ist nicht nur ein historisches Bauwerk. Sie ist Teil der Gegenwart. Eine kleine Grünanlage an ihrer linken Seite wurde vor einigen Jahren zu einem Trauerort umgestaltet, den geflüchtete Menschen aufsuchen können. Denn viele haben Angehörige, die keine Gräber haben, weil sie auf der Flucht ums Leben kamen.

Die umfangreiche Sanierung der Kirche im 21. Jahrhundert, beginnend mit dem Dach, gefolgt von der Fassade, dem Innenraum und der Orgel, zog sich in mehreren Schritten über viele Jahre. Im Kreis der Verantwortlichen hatte Steffens neben den Fachleuten aus der Kirchenverwaltung, dem Denkmalschutz und den bauausführenden Firmen eine zentrale Rolle. Der erfolgreiche Ablauf der Arbeiten und die sorgfältige Mittelverwaltung gehen nicht zuletzt auf seine ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde zurück. Diesen langjährigen Einsatz hat das Land Rheinland-Pfalz jetzt gewürdigt mit der Ehrennadel und dem Besuch Eblings.

Weihnacht in den frühen 60er-JahrenVon Kurt MerkatorIn unserer Familie begann die Weihnachtszeit am 1.11., dem Allerheil...
11/12/2025

Weihnacht in den frühen 60er-Jahren
Von Kurt Merkator

In unserer Familie begann die Weihnachtszeit am 1.11., dem Allerheiligentag. An diesem Tag wurden die ersten Plätzchen gebacken. Es gab Buttergebackenes, Spritzgebackenes, Kokos- und Nussmakronen und Zimtsterne. Ich durfte helfen, mit Förmchen Teig ausstechen, Schüsseln auslecken und sogar mal probieren, natürlich nur die Exemplare, die etwas dunkel geraten oder Bruch waren. Dann kamen die Plätzchen in Kartons und wurden im kühlen Schlafzimmer auf den Schrank gestellt.

Der November war auch der Monat, in dem die Wünsche, die man eh hatte, sich konkretisierten. Ein Wunschzettel wurde geschrieben und sonntags fuhren wir mit der Straßenbahn nach Mainz und bestaunten die üppig dekorierten Schaufenster mit Spielwaren am Kaufhof, ab 1963 bei Hertie, am Kinderladen, bei Carl Komes am Markt oder bei Spielwaren Pätzel in der Augustinergasse. Mir war bewusst, dass die meisten Objekte meiner Begierde in diesen Fenstern unerreichbar waren. Vielleicht ging man ja deshalb sonntags; die Geschäfte waren zu, die Versuchungen damit leicht abzuwehren. Weihnachtsmärkte wie wir sie heute kennen mit hundert Buden, Glühwein an jeder Ecke und mit vom Glühwein trunkenen Besuchern, deren Outfit mit Elchgeweihen auf dem Kopf und blinkenden Objekten aller Art eher an Fastnacht erinnert, gab es nicht. Ab 1962 gab es einen kleinen Weihnachtsmarkt rund um den Marktbrunnen mit einem Kinderkarussell, einigen kleinen Buden mit Mandeln oder Lebkuchen und mit einem Bratwurststand. Wir gingen selten dahin, obwohl Komes ja auf der anderen Seite lag. Ab und an bekam ich eine Bratwurst. Meine Großmutter hielt den Preis von 1 Mark für sehr übertrieben.

Abends zuhause saßen wir dann in der Küche um den Tisch, der Kohlenofen bollerte, Vater saß mit dem Hund auf der Eckbank, Mutter nähte und ich studierte Kataloge. Vor mir lagen der Neckermann Katalog, ein Quelle Katalog und der Märklin Katalog, kostenlos aus dem Kinderladen: eine Vielfalt an Spielsachen, ein gedrucktes Paradies. Bestellt haben wird dort eigentlich nie. Ab Dezember brannten dann die Kerzen auf dem Adventskranz, die ersten wohl rationierten Plätzchen lagen daneben. Beim Bäcker kauften wir Brot und manchmal Brötchen, aber keine Plätzchen und keinen Kuchen. Viel zu teuer, das wurde selbst gemacht.

Hielt man eine Tannennadel vom Adventskranz an die Kerze, dann entflammte sie knisternd und verbreitete einen herrlichen Duft. Dafür wurde ich regelmäßig gerügt. Vater werkelte mit meinem Großvater im Keller. Da ich nicht erwünscht war, war mir klar, dass sie meine Eisenbahn wieder einmal um einen Schienenstrang, ein Haus oder einen mit Gips modellierten Berg erweiterten. Das Ergebnis sah ich erst am 24. auf der neu gestalteten Platte. Die Eisenbahn blieb bis kurz vor Ostern in der Wohnung und wurde dann wieder für ein dreiviertel Jahr auf dem Speicher verstaut. Wir flochten in der Schule kleine Körbchen für die Mutter und malten Bilder. Das wurde wertgeschätzt. Als meine Mutter mit 83 starb, fand ich beim Ausräumen noch ein Körbchen, das ich ihr als Kind gebastelt hatte.

Ab dem dritten Advent wurden die gekauften Geschenke eingepackt, wenn die Empfänger nicht anwesend waren, und irgendwo versteckt. Mit Tesafilm wurde nicht gearbeitet beim Verpacken und es wurde behutsam ausgepackt. Oma achtete darauf, dass das Papier wieder sorgfältig zusammengelegt wurde, damit man es im nächsten Jahr wieder verwenden konnte. Die Schleifen wurden aufgerollt, um sie bügeln zu können. Das Wort Nachhaltigkeit war unbekannt.

Der vierte Advent kam mit den Ferien. Wir, das heißt die gesamte Kinderbande der Straße, waren bis es dunkel wurde draußen und fuhren Schlitten. Schnee gab es reichlich. Dann kam der „Beschertag“, wie der Heiligabend in Mainz heißt, und mit ihm das „Christkind“. Der rote Coca-Cola-Weihnachtsmann war noch unbekannt. Der Christbaum war am Vortag geschmückt worden, die Geschenke mit ihm in der guten Stube verschwunden. Ich hatte sie zwar schon entdeckt in ihrem Versteck und anhand von Form und Größe gemutmaßt, was da drin sein könnte, aber sie aufzupacken hätte ich mich nicht getraut. Die Stube wurde am Abend des 23. abgeschlossen. Die Familie saß in der Küche, wir spielten „Mensch ärgere dich nicht“ und hörten im Radio Weihnachtsmusik. Einen Fernseher hatten wir noch nicht.

Am Morgen des 24. ging Opa mit mir „durchs Ort“. Mutter sagte, damit wir aus den Füßen wären. Wir besahen uns noch einmal die Schaufenster der Finther Geschäfte. Ja, damals gab es sogar noch in den Vororten viele Geschäfte mit liebevoll dekorierten Schaufenstern. Ja, und wir kauften dort ein. Frisch gebadet und fein angezogen dehnte sich am 24. die Zeit, bis endlich ein Glöckchen erklang. Die Stube war wie von Zauberhand offen, die Wachskerzen am Baum brannten und die Familie versammelte sich. Das Absingen von Weihnachtsliedern oder das Zwangsaufsagen eines Gedichtes habe ich dankenswerterweise nie erlebt. Man wünschte sich frohe Weihnachten, die Päckchen wurden verteilt, sorgfältig ausgepackt (Oma wachte!) und meist für gut befunden. Dann verschwanden die Frauen in der Küche, Vater machte eine Flasche guten Wein auf und ich bekam, weil ja Feiertag war, eine Flasche Limonade. An Heiligabend aßen wir immer Würstchen mit Kartoffelsalat. Das ist bei uns noch heute so. Dann begann ein langer Abend in der warmen Stube mit Geschichten von früher und den neuesten Neuigkeiten aus dem Dorf. Im Vergleich mit heute sicher einfache und bescheidene Tage, aber wir waren zufrieden.

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