13/01/2026
Jahrestage 2026 – Anlass sich zu erinnern
Von Ingrid Suder
„Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren.“ Dieses Zitat wird Siegfried Lenz zugeschrieben. Der „umsichtige Mahner“ wurde er einmal genannt, der die deutsche Literatur wieder hoffähig machte.
Schon Ende 2024 standen die 52 Briefmarken für 2026 fest. Wie jedes Jahr wählte der Programmbeirat beim Bundesministerium der Finanzen „aus den eingereichten Vorschlägen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Institutionen eine ausgewogene Anzahl von Themen aus“. Und auch ich habe wieder ausgewählt aus dieser Themenpalette, die an denkwürdige Ereignisse, herausragende Jubiläen, runde Geburtstage und außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement erinnert, Bauwerke und Landschaften einbindet.
Eine Sonderbriefmarke wird Siegfried Lenz anlässlich seines 100. Geburtstags gewidmet sein. Mit „So zärtlich war Suleyken“ setzte er, im März 1926 in Ostpreußen geboren, seiner masurischen Heimat humorvoll ein Denkmal. Mit seinen Theaterstücken und Hörspielen, Essays und Reden mischte er sich immer wieder ins politische Tagesgeschehen ein, mit seinen Romanen schuf er herausragende Werke der Nachkriegsliteratur. „Deutschstunde“, der erfolgreichste Roman des Autors, 1968 erschienen, thematisiert das Verhältnis von Macht und Kunst, von unbedingter Pflichterfüllung in der Zeit des Nationalsozialismus im Gegensatz zu individueller Verantwortung. Vielfach preisgekrönt erhielt Siegfried Lenz 1988 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, 2014 ist er in Hamburg gestorben.
Geehrt für den Einsatz für ein friedvolles Miteinander wurden Aristide Briand und Gustav Stresemann. Sie erhielten 1926 den Friedensnobelpreises für ihr Bemühen um die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg. Die Dankesrede von Gustav Stresemann, als Vortrag gehalten am 29. Juni 1927 auf Einladung des Storthing-Nobelkomitees in der Aula der Universität in Oslo, kann man im Internet nachlesen, überschrieben „Der Weg des neuen Deutschlands“. Auch hier geht es um Unterordnung unter den Staat, um Pflichttreue – sie führte letztlich zum Ersten Weltkrieg – und um das „Sehnen nach friedlicher internationaler Zusammenarbeit in Recht und Frieden“.
Unverzichtbare Bewahrer der Demokratie und Mahner für ein menschliches Miteinander sind zwei Institutionen, beide vor 75 Jahren ins Leben gerufen. Auch ihnen werden Sonderbriefmarken gewidmet sein.
Das ist auf nationaler Ebene das Bundesverfassungsgericht. Zwei Senate mit jeweils acht Mitgliedern wachen in Karlsruhe „über die Einhaltung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Seit seiner Gründung im Jahr 1951 hat das Gericht dazu beigetragen, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Ansehen und Wirkung zu verschaffen. Das gilt vor allem für die Durchsetzung der Grundrechte. Zur Beachtung des Grundgesetzes sind alle staatlichen Stellen verpflichtet. Kommt es dabei zum Streit, kann das Bundesverfassungsgericht angerufen werden. Seine Entscheidung ist unanfechtbar. An seine Rechtsprechung sind alle übrigen Staatsorgane gebunden“, einzusehen unter www.bundesverfassungsgericht.de unter den Stichworten „Aufgaben und Organisation“ bis hin zu „Verhaltensleitlinien“: „Die Richterinnen und Richter des BVerfGE verhalten sich innerhalb und außerhalb ihres Amtes so, dass das Ansehen des Gerichts, die Würde des Amtes und das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Integrität nicht beeinträchtigt werden.“ Ansehen und Würde: Beschädigt durch einen in den Medien breit getretenen politischen Streit um die Wahl eines Mitglieds?
Hoffnungsträger auf internationaler Ebene ist die Genfer Flüchtlingskonvention. Am 28. Juli 1951 wurde sie von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet, bis heute von 149 Ländern unterschrieben. Sie definiert nicht nur, wer ein Flüchtling ist, welcher rechtliche Schutz, welche Hilfe und welche sozialen Rechte ihm zustehen. Sie bestimmt zudem die Pflichten der Flüchtlinge gegenüber ihren Aufnahmeländern. Weltweite Vereinbarungen, die nur auf dem Papier stehen?
„Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren“, habe ich diese Auswahl überschrieben. Kein Sonderpostwertzeichen ist den Mainzer Hofsängern gewidmet. Doch ihr 100. Geburtstag steht 2026 an und wird wohl nicht nur in Mainz begangen werden. Mit ihren Auftritten begeistern sie ein Millionenpublikum, mit ihren auch politischen Texten mahnen sie, mit ihren Liedern erfreuen sie. Musik ist eine Menschen verbindende Kraft. „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, gehört nach wikipedia in Deutschland zu den beliebtesten Gesängen bei freudigen Anlässen aller Art und wird nicht nur bei besonderen Erfolgen deutscher Sportler wie bei Fußballweltmeisterschaften oder Länderspielen von den Fans regelmäßig angestimmt. Trotz aller Gegnerschaft ein Miteinander!