09/03/2025
Der Weg der Heiler ist kein leichter. Er führt über Wunden, über Hiebe, über Prüfungen, die schon in der Kindheit beginnen. Der junge Heiler wird nicht geschont. Er lernt früh, Menschen zu lesen, Gefahren zu erspüren, Stimmungen zu wandeln – nicht aus Spiel, sondern aus Notwendigkeit. Sein Gespür für Harmonie und Disharmonie ist ihm gegeben, doch es wird in der harten Schule des Lebens geschliffen.
Es gibt Phasen auf diesem Weg. In den unbewussten Jahren gerät der Heiler immer wieder an jene, die ihn spiegeln – an Peiniger, an kalte Hände, die seine Wärme nehmen, ohne etwas zurückzugeben. Er versucht zu retten, zu heilen, zu geben. Doch seine Energie verpufft, zerrinnt in dunklen Gestalten, die nicht sehen und nicht hören wollen.
Denn dort, wo Heiler sind, gibt es auch Gegenspieler. Menschen, die dasselbe Schicksal traf, doch die nicht heilen, sondern verletzen. Sie lesen den anderen ebenso gut, aber nicht, um Licht zu bringen, sondern um Schatten zu verstärken. Sie kennen die Wunden und drücken gezielt darauf, nicht um zu erlösen, sondern um zu beherrschen. Ihre Mauern sind hoch, ihr Herz verbarrikadiert. Wer in ihre Augen sieht, erkennt die Flamme des puren Egoismus.
Der Heiler lernt durch Schmerz. Er bricht, er fällt, er steht wieder auf. Und dann – irgendwann – erkennt er. Sich selbst. Die anderen. Die Muster. Die ewige Wiederholung. Und er hört auf. Hört auf, seine Energie an geschlossene Türen zu verschwenden. Hört auf, Brecheisen zu sein.
Ein bewusster Heiler weiß: Nicht jeder will Heilung. Nicht jeder kann sie annehmen. Er sortiert aus, spricht Nein, geht seinen Weg, dorthin, wo sein Licht willkommen ist. Und in dieser Klarheit liegt seine wahre Kraft.
Wir leben in Zeiten des Wandels. Die Heiler erwachen, werden stark, und die Manipulatoren verfangen sich immer mehr in ihren eigenen Netzen. Sie schlagen um sich, doch irgendwann trifft jeder auf sich selbst. Manche werden sich lieben lernen. Andere werden durch den Spiegel blicken und hinter ihrer Selbstverliebtheit den bodenlosen Abgrund erkennen. Und dann – wenn die Mauern brechen und die Erkenntnis Einzug hält – wird sich zeigen, wer fallen muss und wer aufgefangen wird.
Text: Tanja Wilhelmus