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05/02/2024
VOM KICK IN DIE WIRTSCHAFT
Ex-Fußballstar Drogba: Es braucht Jobs in Afrika, sonst wird das Flüchtlingsproblem noch größer
Didier Drogba war einer der besten Fußballer der Welt und engagiert sich nun wirtschaftlich. Er wirbt für seinen Heimatkontinent Afrika, kennt aber auch die Probleme
Andreas Danzer
Licht und Schatten liegen auf dem afrikanischen Kontinent sehr nah beieinander, zumindest wirtschaftlich betrachtet. Es gibt Möglichkeiten en masse: rasant wachsende Volkswirtschaften, Ressourcenvielfalt, Chancen im Bereich Technologie und Energiewende. Dem gegenüber stehen Korruption, hohe Jugendarbeitslosigkeit, Fachkräftemangel sowie unzureichende und überlastete Infrastruktur. Kein einfaches Pflaster also.
Einer, der vor allem die Chancen sieht, ist Didier Drogba. Sein Name in Kombination mit Wirtschaftsbeziehungen ist ungewohnt, denn bekannt wurde der heute 45-Jährige als Fußballer. Mit dem FC Chelsea etwa gewann er 2012 die Champions League und viermal die englische Meisterschaft, die Liste seiner Erfolge ist lang.
Keine Einbahnstraße
2018 hat er seine Karriere beendet und sich umorientiert. Einerseits leistet er mit seiner Stiftung Entwicklungsarbeit in seinem Heimatland, der Elfenbeinküste, andererseits reist er um die Welt, um auf die Potenziale Afrikas hinzuweisen. "Investoren müssen verstehen, dass es in Afrika viel Geld zu verdienen gibt, aber das muss auf faire Weise passieren", sagt Drogba im Gespräch mit dem STANDARD. "Herkommen, Rohstoffe mitnehmen, woanders verarbeiten und dann zu einem überhöhten Preis der afrikanischen Bevölkerung zurückverkaufen, das geht nicht. Eine Wirtschaftsbeziehung darf keine Einbahnstraße sein."
Man respektiere in Afrika die Kultur anderer Wirtschaftstreibender, egal ob aus China, der EU oder den USA, aber sie müssten das im Gegenzug auch tun. "Afrika ist ein sehr junger Kontinent, deswegen müssen Jobs für die Menschen geschaffen werden. Andernfalls wird das Flüchtlingsproblem noch größer, als es ohnehin schon ist", sagt Drogba.
Es ist Drogbas zweiter Besuch in Wien. Beim ersten Mal gewann er mit Olympique Marseille gegen die Wiener Austria, dieses Mal ist er Gast beim Africa Day der Wirtschaftskammer Österreich. Diese Veranstaltung soll dazu beitragen, das unternehmerische Bewusstsein in Österreich für den Kontinent zu schärfen.
Das Interesse an Österreichs Produkten und Dienstleistungen ginge mittlerweile deutlich über Wasseraufbereitung, Infrastruktur, Gesundheitswesen und erneuerbare Energie hinaus. Jetzt sei ein günstiger Zeitpunkt, um sich in diesen Märkten zu positionieren, heißt es bei der Kammer.
5,5 Milliarden Euro aus Italien
In eine ähnliche Richtung ging es auch beim jüngsten Afrika-Gipfel in Italien. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte einen umfangreichen Investitionsplan für die Bereiche Energie, Landwirtschaft, Wasser, Gesundheit und Bildung in Höhe von 5,5 Milliarden Euro an.
Im Gegenzug strebt Italien eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Teilnehmer staaten in Migrationsfragen an. Von Pilotprojekten wie der Modernisierung der Getreideproduktion in Ägypten über die Wasseraufbereitung in Äthiopien bis hin zum Ausbau von erneuerbaren Energien in Marokko ist die Rede.
Kocher und Schallenberg in Afrika
In der heimischen Politik rückte Afrika zuletzt auch vermehrt in den Fokus. "Afrika beheimatet viele Zukunftsmärkte. Daher ist es unser Ziel, heimische Betriebe künftig noch stärker bei der Internationalisierung zu unterstützen", sagte Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) via Videobotschaft, der aktuell mit einer Wirtschaftsdelegation in Marokko ist, um dort etwaige Türen zu öffnen.
Aus demselben Grund reiste Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) im Dezember in den Senegal und nach Südafrika, DER STANDARD hat berichtet. Marokko wird in Expertenkreisen immer wieder als positives Beispiel genannt. Das Land will bereits im Jahr 2025 rund 40 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Daraus könnten sich aus europäischer Sicht eventuelle Energiepartnerschaften ergeben, die seit Beginn des Ukrainekriegs zu einem geopolitischen Faktor geworden sind.
Fußball und Wirtschaft
Auch Didier Drogba führt Marokko als positives Beispiel an. Einerseits wirtschaftlich, andererseits fußballerisch: "Marokko hat in Infrastruktur und Ausbildung investiert, und siehe da, sie waren im WM-Halbfinale." Er habe als Fußballer nicht nur das Toreschießen geliebt, sondern auch Assists – und das versuche er nun umzulegen, also Vorlagen zu ermöglichen. Er unterstütze Unternehmer sowie Investoren beim Netzwerkaufbau, aber auch direkt bei der Expansion in afrikanische Märkte.
Zudem spricht er immer wieder von den Chancen in der Energiewirtschaft. "In Afrika gibt es oft keine alten vorhandenen Strukturen, man startet in vielen Bereichen bei null. Für erneuerbare Energien ist das ein Riesenstartvorteil." Das sei aber in Bereichen wie Bergbau, Gesundheit, Digitalisierung oder Tourismus ähnlich. In Bergbau und eine Goldmine habe er in seiner Heimat auch investiert, einfach um zu zeigen, dass es hier Möglichkeiten gibt. Das Investment laufe gut, meint er. Außerdem bewirbt er das Land als Tourismusbotschafter.
Die ganz großen Handelsbeziehungen zwischen Österreich und dem west afrikanischen Land gibt es noch nicht, sollen aber mehr werden, betont man in der Wirtschaftskammer. Momentan geht es vor allem um Kakao-Importe und Maschinenexporte
Politischer Einfluss
Dass Drogba politisch eine einflussreiche Rolle spielen kann, hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen. Während des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste rief er 2005 im Rahmen eines Fußballspiels die Kriegsparteien dazu auf, die Waffen niederzulegen. Zumindest vorübergehend passierte das sogar. Seine wirtschaftlichen Bemühungen stecken noch in den Kinderschuhen, aber ohne Training wird kein Kicker zum Weltstar. (Andreas Danzer, 31.1.2024)
Foto1: Didier Drogba wünscht sich mehr Investitionen in Afrika – diese müssten aber eine Win-win-Situation sein und fair ablaufen.Philipp Neuherz
Foto2: Über 100-mal lief Didier Drogba für die ivorische Nationalmannschaft auf. Die größten Erfolge feierte er jedoch in England beim FC Chelsea.imago sportfotodienst
Foto3: Vor allem für den Export von Kakao ist die Elfenbeinküste bekannt. Im Land hofft man jedoch, dass die Küste und die Berge künftig Touristen anziehen.REUTERS/LUC GNAGO